Konzept – Up in Arms

Der Ausstellungstitel »Up in Arms« ruft unterschiedliche Assoziationen hervor. Auf der einen Seite erinnert er an den aus der Kindheit bekannten Ausruf “Hände hoch!” und die spielerisch gezückte Fingerpistole. Auf der anderen Seite steht die eigentliche Bedeutung des Ausdrucks, “energisch gegen etwas zu protestieren”. Aber so groß ist der Unterschied gar nicht, denn es gibt genügend Anlass für Wut und Protest, besonders dann, wenn man die Rüstungsindustrie in den Blick nimmt. Seit 2002 sind die Rüstungsexporte um mehr als fünfzig Prozent gestiegen und Deutschland befindet sich unter den Top-5-Großwaffenexporteuren. 1 Oft ohne es zu wissen, profitieren wir alle von diesem tödlichen Geschäft. 2
 
Protest kann viele Formen annehmen, nicht alle tragen ihn auf die Straße. Kunst kann als eine Form des Protestes verstanden werden – Ausstellungen wären demnach Demonstrationen und die Kunstwerke selbst eine oppositionelle Handlung. »Up in Arms« unternimmt den Versuch, diesem Potenzial der Kunst gerecht zu werden. Ausgehend von John Heartfield, der mit seinen politischen Plakaten die Kunst beispielhaft als Protestwaffe nutzte, soll die Ausstellung mit den Mitteln der Kunst die Mechanismen des globalen Rüstungshandels und seine weitreichenden Folgen in den Fokus rücken. Das Informieren der Öffentlichkeit ist ein wesentliches Anliegen, denn Protest kann sich nur entfalten, wenn man weiß, was vor sich geht.
 
Die Kunstwerke in der Ausstellung lassen die historischen und aktuellen Bedingungen sowie die Dimensionen (und Ambivalenzen) der wirtschaftlichen Strukturen des Waffenhandels greifbar werden. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere die Verbindungen zwischen der Kunst, der Kunstwelt, der Rüstungsindustrie und den persönlichen Erfahrungen derjenigen, die von den Folgen des Waffenhandels betroffen sind. Es wird deutlich, dass sich die Branche einer Beurteilung hinsichtlich ihrer Rentabilität oder ihrer Bedeutung für die Diplomatie entzieht. Aber die Folgen sind zu gravierend, um allein aus diesen Blickwinkeln betrachtet zu werden.
 
Der Einsatz von Kunst als Protestwaffe gegen den Waffenhandel ist ebenfalls zentrales Thema des Kunstwettbewerbs »Kunst im Untergrund«, der parallel zur Ausstellung »Up in Arms« stattfindet. Die diesjährige Ausgabe von »Kunst im Untergrund« platziert Kunstwerke in die Nähe zentraler Orte der Waffenindustrie und veranschaulicht so ihre aktuelle sowie historische Präsenz in Berlin. Eine Karte bietet online umfassende Informationen zu den einzelnen Kunstwerken, zu den Protagonist_innen des Waffenhandels und zu denjenigen, die sich dagegen engagieren. Weitere Aspekte des Waffenhandels werden im öffentlichen Begleitprogramm zur Ausstellung aufgegriffen und auf Podiumsdiskussionen mit Künstler_innen und Kooperationspartner_innen sowie im Filmprogramm thematisiert. Gemeinsam mit der zivilgesellschaftlichen Initiative LobbyControl werden entlang der Stationen von »Kunst im Untergrund« Stadtführungen konzipiert, die Einblicke in die Schnittstellen von Lobbyismus und Waffenhandel geben. Darüber hinaus wird während des Ausstellungszeitraums eine Reihe von Artikeln auf der Website von »Up in Arms« veröffentlicht.
 

1 https://www.gn-stat.org/ (abgerufen am: 05.03.2019)
2 urgewald/Facing Finance-Broschüre "Dirty Profits" im PDF-Format (abgerufen am: 05.03.2019)
Bild links: Vanessa Gravenor - This Weapon Drags Like A Boomerang, 2018 (Videostill)